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Unterrichten

2.4 Unterrichten

Unterricht ändern

- weiterführende Gedanken -

System

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Inhalt:
  1. Problemaufriss
  2. Kernideen als Brücken
  3. Hatten die schon Schuhe?
  4. Literatur

 


1. Problemaufriss

Annemarie von der Groeben diskutiert in ihrem Aufsatz : "Unterricht kann auch >>anders<< sein" Möglichkeiten und Chancen des Fachunterrichtes. Ausgehend von der Jugendforscherin D. Elschenbroich (Weltwissen der Siebenjährigen) lassen sich Grunderfahrungen formulieren, an die die Schule anzuknüpfen hat bzw. falls sie nicht gemacht wurden, sollte sie sie kompensatorisch gewährleisten.

Nach Elschenbroich scheitert ein Großteil der Schulen an dieser Aufgabe: "... Und wie geht es weiter? Am Beispiel von zwei Kindern wird gezeigt, wie die Schule ihr ausgeprägtes Weltwissen nicht aufgreift, ihr Selbstvertrauen nicht stärkt; ihre Fähigkeiten nicht optimal fördert..." ( A.v.d. Groeben S. 7)

Grunderfahrungen nach Elschenbroich

  • durch den Bach waten
  • Kuchen backen
  • Sterne
  • im Matsch spielen

 

Ohne diese Grunderfahrungen, so die These, bleibt alles andere Lernen unfruchtbar.
AuchHartmut von Hentig konzipierte die Bielefelder Laborschule als Lebens- und Erfahrungsraum. Schulisches Lernen wird zum Mittel der Lebenswelterfahrung, Schubladenwissen ist nicht gefragt.

Hinweis
Zum Nachdenken

Hentig kritisiert die Pseudolebensnähe mancher >>kindgemäßer<< Beschäftigungen und Lernangebote nicht weniger scharf; Erfahrungslernen heißt für ihn gerade nicht, dass Pädagogen den harten Kern des Lernpensums möglichst bunt verpacken, sondern, dass sie Lernen >>anders<< anlegen: "Anlässe für Einsicht und Freude - dies scheint mir die knappeste Formel für das zu sein, was wir den jungen Menschen schulden, damit sie zu sich bildenden Subjekten werden". (Hentig 2004; S. 72)

(Zitat in Groeben S.8)

Natürlich bedeutet dies eine Veränderung des gewohnten Unterrichts:

  1. Die Lernbedingungen werden so verändert, dass alle die Ziele erreichen können.
  2. Unterschiedliche Möglichkeiten eine "Sache" handelnd zu erreichen, ist Mittelpunkt des Unterrichts.
  3. Selbsttätigkeit führt zur aktiven Aneignung ( Hilf mir es selbst zu tun!)
  4. Da Lernen nicht vorhersehbar ist, passt sich die Planung den natürlichen Lernprozessen an.
  5. Mögliche Umwege erfordern viel Zeit .
  6. Fehler sind Zwischenstufen und daher Anlass zum Nachdenken über Lernen.
  7. Lernen ist ein dialogischer Prozess, jeder trägt seinen Teil dazu bei.

 

Wie dies, wenn es nicht nur Leerformeln bleiben sollen zu verwirklichen ist, zeigen die folgenden Aufsätze.

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2. Kernideen als Brücke

Wer kennt nicht die Schüler und Schülerinnen, die von sich sagen: "Ich kann dies und das halt nicht". Peter Galin vergleicht in seinem Aufsatz Schüler an einem Schweizer Gymnasium unter diesem Aspekt die Didaktik in den Fächern Deutsch und Mathematik.


Als Ursache für Unlust und geringen Selbstwert gilt zu: B. die schnelle Einführung von Lösungsalgorithmen im Mathematikunterricht, obwohl die Problemstellung überhaupt noch nicht erfasst wurde. Die Aufgabe wird reflexartig abgearbeitet. Dies führt nach Galin bei den weniger erfolgreichen Schülern zu einem ausgeprägten negativen Selbstkonzept.
Gute Hilfe zur Stärkung des Selbstwertkonzeptes im Mathematikunterricht ist das Dialogische Prinzip. Hier werden kurz die Dialogisches prinzipGrundgedanken dargestellt. Die Beispiele zur Symmetrie entnehmen sie bitte dem Artikel in Pädagogik.

Sehen wir uns einmal die Grundprinzipien des dialogischen Lernen näher an: Nach dem Einstieg bzw. der Motivationsphase wird nicht mit der Schrittweisen Wissensvermittlung begonnen.

  1. In der Vermittlung einer Kernidee wird der Lerngegenstand in seiner ganzen Komplexität dargestellt. Alltagsbezug werden klar gelegt. Das Gegenprinzip: "Vom Einfachen zum Komplexen" ist ihnen sicher bekannt.
  2. Die Schüler und Schülerinnen stellen sich im Anschluss dann einen Auftrag, in dem sie sich z.B. mit Aspekten der Problematik befassen. Gruppenarbeiten, Internetrecherchen, ... sind nicht nur möglich sondern erwünscht.
  3. Weil es sich um individualisiertes Erkundungen handelt, müssen die Schüler ihre Wege in einem Lernjournal festhalten, das
  4. vom Lehrenden sorgfältig gesichtet und mit Rückmeldungen versehen wird.

Damit die Mathematiker unter Ihnen einen Anreiz erhalten, sich mit dem Artikel näher zu beschäftigen, hier ein Arbeitsauftrag mit der Kernidee "Doppelgänger":

Halte einen Spiegel auf das hier eingeklebte Foto deines Gesichtes und überprüfe, ob dein Gesicht achsensymmetrisch ist oder nicht. Erfinde dann eine Methode, wie du mit dem Fotokopierer aus deinem Foto zwei Gesichter herstellen kannst, von denen eines aus zwei linken und eines aus zwei rechten Hälften besteht.

(Galin S.11)

"Die Lernenden sollen über verbindliche Aufträge zum Sammeln von Erfahrungen angehalten werden, die in ihnen eigene Kernidee zu einem Thema entstehen lassen. Nur so kann das Fachwissen dauerhaft mit der Person des Lerneden verbunden werden. Die individuellen Kernideen stiften einerseits einen Sinn im Hier und Jetzt und erlauben andrerseits eine Rekonstruktion des Fachwissens, wenn die Einzelheiten bereits vergessen sind.

Galin S. 13

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3. Hatten die schon Schuhe?

Literatur

Groeben, v. d.; Annemarie ( 2006): Unterricht kann auch >>anders<< sein - Erfahrung als didaktische Chance und didaktische Herausforderung. Pädagogik 6/ 2006 S. 6 ff

Gallin; P. (2006): Kernideen als Brücke zwischen Erfahrung und Fachwissen. Pädagogik 6/ 2006 S. 10 ff

 

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